Die steigenden Spritkosten sind wohl für jedermann ein Ärgernis und es tut mir in der Seele weh, wenn ich an der Kasse einer Tankstelle stehe und meine Tankfüllung bezahle. Nun könnte ich in die Riege derer wechseln, die nach Steuersenkungen schreien oder die Bekämpfung der Spekulanten an den Rohstoffbörsen fordern. Nur, es wird nichts bringen.
Eines kann hingegen jeder tun: Sprit sparen. Und um herauszufinden, wie viel pro 100km gespart werden kann, habe ich mit einem Selbstversuch begonnen. Ich fahre einen Mazda MX-5 und meine tägliche Strecke ins Büro ist ca. 23km lang. Davon ca. 8km Stadt und 15km Autobahn – ich habe es allerdings nie genau gemessen, so dass es sich mehr um ein Gefühl handelt.
Wie dem auch sei: die Strecke ist nicht dazu angetan, einen besonders günstigen Verbrauch zu erhalten. Jeden Tag muss ich mich durch die Baustelle am Leuchtenbergring in München quälen – seit vielen Jahren. Bald ist der neue Tunnel fertig, aber dies hat mit meinem Versuch nichts zu tun. Morgens ist hin und wieder Stau auf der Autobahn und in der Stadt ist es Stop and Go. Abends läuft es besser und dies schlägt sich auch in den generellen Fahrzeiten nieder: in der früh sind es meist 40-50 Minuten, abends eher 25-30 Minuten.
Ich führe ein Fahrtenbuch und könnte zusammen mit den Tankbelegen meinen Spritverbrauch der Historie sehr genau ermitteln, aber das ist mir doch zu viel Aufwand. Der Verbrauch ist zudem sehr konstant. Normalerweise fahre ich ca. 450km bis ich zur Tankstelle muss (mein Auto hat einen kleinen Tank). Und ich tanke ca. 41 Liter Super. Das ergibt einen Schnitt von 9,11 Liter auf 100km und ich nehme dies als Vergleichswert für meine zukünftigen Ergebnisse.
Den ersten Test habe ich in den vergangenen zwei Wochen durchgeführt, in denen ich die folgenden Änderungen an meiner Fahrweise durchgeführt habe:
Autobahn: ich fahre zwischen 110km/h und 140km/h, je nach Verkehrslage. Manchmal auch etwas schneller, wenn es die Situation erfordert, aber grundsätzlich schaue ich, dass ich eine konstante Geschwindigkeit einhalten kann. Dies ist nichts grundsätzlich Neues, aber man muss es verinnerlichen.
Stadt: wenn man täglich die gleiche Strecke fährt, kennt man die Ampelschaltungen mehr oder weniger auswendig. Sobald ich weiß, dass eine Rotphase länger als 20 Sekunden dauern wird – und das sind die meisten – schalte ich den Motor aus. Auch dies ist gewöhnungsbedürftig und ich hasse all diejenigen, die zu ihrem Vordermann ein paar Meter Abstand lassen, damit sie während der Rotphase ein wenig „Rollen“ können. Das ist mit Abstand das Blödsinnigste was es gibt, denn das ständige Anfahren ist einer der größten Spritfresser überhaupt, und ich stehe plötzlich mit 10-15m Abstand zu meinem Vordermann da. Andererseits beobachte ich immer mehr andere Autofahrer, die ebenfalls den Motor ausschalten. Man muss allerdings sehr konzentriert sein, um nicht plötzlich als Hindernis wahrgenommen zu werden, aber konzentriert sollte man eigentlich immer sein.
Landstraße: fahre ich eher selten, aber auch hier habe ich mir etwas einfallen lassen: wenn ich mit 80-100km/h auf der Landstraße unterwegs bin, nehme ich den Fuß vom Gas sobald ich ein Ortsschild sehe. Das kann dann ruhig noch 200m entfernt sein – etwas vorausschauendes Fahren ist also angebracht. Man kommt mit ca. 55-60km/h an der Ortschaft an und kann meist ohne Bremsen weiterfahren. Schubabschaltung ist das Zauberwort, denn der Motor benötigt kein Benzin, wenn man vom Gas geht – solange man einen Gang eingelegt hat, sonst dreht er im Leerlauf. Also hübsch den höchsten Gang eingelegt lassen und die Bremswirkung des Motors verwenden, anstatt mit hoher Geschwindigkeit bis kurz vor den Ortseingang fahren, um dann die ganze Energie in den Bremsen zu verjubeln. Diese Fahrweise hatte ich schon immer, aber ich gehe jetzt noch ein wenig früher vom Gas.
Grundsätzlicher Tipp: nicht so dicht auffahren. Ich rede hier gar nicht von Dränglern, sondern von Leuten, die mit einer normalen Geschwindigkeit fahren. Nur lassen sie zu ihrem Vordermann nicht mehr als 10m Abstand, manchmal sogar weniger. Während das in der Stadt noch in Ordnung ist, macht es auf Landstraßen und Autobahnen keinen Sinn. Zum einen ist es gefährlich, zum anderen muss man ständig bremsen. Ich sehe das jeden Tag und frage mich, warum die Leute sich so einem Stress aussetzen. Und das ständige Bremsen und Beschleunigen kostet eine Unmenge Sprit.
Vorausschauendes Fahren: ohne jemandem zu nahe treten zu wollen scheint es, als ob dies nicht die Stärke der deutschen Autofahrer sei. Zur Erinnerung: es gibt im Auto drei Spiegel, einer links außen, einer rechts außen und einer in der Mitte. Wenn man hin und wieder reinschaut, hat man kaum Probleme sich im Verkehr zurechtzufinden und kann ohne Probleme mit dem Gaspedal die Geschwindigkeit so regulieren, dass man fast immer eine passende Lücke findet, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu behindern. Auch Blinken hilft ungemein, damit der nachfolgende Verkehr weiß, was man vorhat. Und ich meine Blinken bevor man etwas macht, nicht währenddessen. Dann ist es nur noch ein Alibi-Blinken ohne jeglichen Wert.
Ich könnte noch einige weitere Situationen aus dem täglichen Leben aufzählen und vielleicht mache ich das an anderer Stelle auch, aber nun muss ich doch noch einmal auf das eigentliche Thema dieses Artikels zurückkommen. Mein erstes Tankerlebnis mit der neuen Fahrweise war positiv. Am Samstag, 12.07.2008, hatte ich meinen ersten Besuch an einer Tankstelle seit Beginn des Tests, und der Verbrauch war 38,98 Liter bei einer gefahrenen Strecke von 465,4km. Dies ergibt einen Schnitt von 8,38 Liter auf 100km und ist immerhin 0,73 Liter weniger als zuvor, oder knapp 8%. Das mag nicht besonders viel erscheinen, sind bei ca. 12.000km pro Jahr aber immerhin 87,6 Liter und damit eine Ersparnis von 135€, basierend auf einem Preis von 1,55€ pro Liter.
Am Samstag half ich bei einem Umzug und fuhr eine längere Strecke über Landstraße, hin und zurück jeweils knapp 63km. Dies sollte sich bei der augenblicklichen Tankfüllung deutlich bemerkbar machen und ich peile einen Schnitt von knapp 8 Litern an.
Weiteres folgt.
Sonntag, 13. Juli 2008
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