Donnerstag, 2. Oktober 2008

Bankenkrise

Ich mag es nicht mehr hören. Für Deutschland wird eine Stagnation des Wirtschaftswachstums vorausgesagt, weil sich die Banken verspekuliert haben.

Was ist eigentlich los? Das kapitalistischste Land schlechthin, die Vereinigten Staaten von Amerika, ist pleite. Und das (ehemals) kommunistischste Land schlechthin, Russland, schwimmt im Geld. Schon merkwürdig, und Marx und Lenin hätten sich über diese Entwicklung sicherlich gewundert, wobei von Marx (so glaube ich) immerhin vorausgesagt wurde, dass es so kommen würde. Ob er dabei die "Globalisierung" und alles damit zusammenhängende in dieser Form erahnt hat, weiß ich allerdings nicht. Aber vielleicht ist es an der Zeit, sich mit seinen Schriften einmal genauer auseinanderzusetzen.

Mich persönlich überrascht die derzeitige Entwicklung nicht. Da sämtliches Bestreben der großen Konzerne nur noch auf den Shareholder Value ausgerichtet und die Gehälter der Top-Manager wohl im großen Maße davon abhängig sind, verwundert es nicht, dass alles Erdenkliche getan wird, um den Umsatz und Gewinn zu steigern. Und dabei werden alle Bedenken beiseite gekippt und Kredite vergeben, die bei genauerer Prüfung wohl niemals hätten zugeteilt werden dürfen. Aber wenn man es selbst nicht macht, macht es ein anderer, und dann haben diese mehr Umsatz und Gewinn.

Das Problem bei der ganzen Geschichte ist, dass ein normal Sterblicher bei seiner Bank vielleicht 4% Zinsen auf seine Einlagen bekommen kann, ohne sich einem Risiko auszusetzen. Abzüglich Steuern gleicht dies gerade mal die Inflation aus - ein Mehrwert wird also nicht geschaffen. Auf der anderen Seite verdienen sich die Banken dumm und dämlich mit dem Ihnen anvertrauten Geld, wie sonst könnten Milliardengewinne überhaupt entstehen? Und wenn es schief läuft, dann springt der Staat ein und finanziert den Verlust mit Steuergeldern. Na toll, erst wenig Zinsen und dann auch noch dafür bezahlen. Vielen Dank!

Weitaus mehr ärgert mich etwas anderes: Börsennachrichten. Jeder Fernseh- und Radiosender "informiert" ständig über die aktuelle Entwicklung an den Börsen. Und damit trichtern wir schon unseren Kindern ein, dass man an der Börse das große Geld machen kann. Was natürlich nur in den seltensten Fällen gelingt, aber irgendwie scheint es unsagbar wichtig zu sein, die steigenden und fallenden Kurse zu vermitteln.

Warum eigentlich? Würden diese Zahlen nicht ständig genannt, dann würden sich weit weniger Leute an der Börse verspekulieren. Und damit kämen wir nach einiger Zeit zu einem Stand, an dem es nur noch diejenigen tun, die sich vorab *wirklich* informiert haben. Und wenn immer weniger Menschen den Drang verspüren, an der Börse ihr Geld in den Sand zu setzen, werden neben dem Augenmerk des Shareholder Values auch andere Themen wieder interessant, und es werden nicht ständig irgendwo ein paar tausend Stellen zusammengestrichen.

Aber wahrscheinlich ist dies nur ein verzweifelter Hilferuf, der ungehört in den tiefen Weiten des Internets verhallt.

Und noch etwas: wenn in den USA plötzlich 700 Milliarden Dollar (700.000.000.000) benötigt werden, um "faule Kredite" abzulösen, dann sind diese 700 Milliarden Dollar ja nicht verschwunden. "Geld verbrennen" geht in so einer Größenordnung nämlich nicht. Anders gesagt: irgendwo ist dieses Geld geblieben, und ich wäre sehr daran interessiert wo.